Torgau


Torgau
Tọrgau,
 
Kreisstadt des Landkreises Torgau-Oschatz, Sachsen, nördlich der Dahlener Heide, 86 m über dem Meeresspiegel, am linken Ufer der Elbe, 19 700 Einwohner; Flachglaswerk, Steingutfabrik, Herstellung von Briefumschlägen und Versandtaschen, Baugewerbe, Maschinenbau; Straßenknotenpunkt mit einer 509 m langen Elbbrücke; wichtigster sächsischer Binnenhafen.
 
 
Die Marienkirche, eine spätgotische Hallenkirche (begonnen um 1390) mit zweitürmigem spätromanischem Westbau (1. Hälfte des 13. Jahrhunderts, Südturm um 1750 erneuert), birgt eine reiche Ausstattung (u. a. »14 Nothelfer« von L. Cranach dem Älteren). Schloss Hartenfels ist eine mächtige, unregelmäßige Vierflügelanlage, u. a. mit spätgotischem Albrechtspalas (um 1470, 1482-85 erweitert), Johann-Friedrich-Bau (1533-36), einem frühen Hauptwerk der deutschen Renaissance mit Großem Wendelstein, und Schlosskirchenflügel (heute Museum) mit dem »Schönen Erker« (1544); die Schlosskirche ist der erste protestantische Kirchenbau (1544 von M. Luther geweiht). Renaissancerathaus (1561-65) mit Volutengiebel und Zwerchhäusern; Bürgerhäuser (nach dem Stadtbrand 1482 entstanden).
 
 
973 schenkte Kaiser Otto II. den Ort Torgau dem Erzbistum Magdeburg. Die den Elbübergang sichernde Burg, vermutlich zur gleichen Zeit angelegt, fand 1119 erste urkundliche Erwähnung. Im selben Jahr kam Torgau in den Besitz der Markgrafen von Meißen. Ende des 12. Jahrhunderts ist Torgau erstmals als Stadt bezeugt. Ab 1485 eine zeitweilige Residenzstadt der ernestinischen Kurfürsten, war Torgau ein wichtiger Ort der Reformation; ab 1547 albertinisch, bis zum 17. Jahrhundert kurfürstliche Nebenresidenz. 1811 wurde Torgau auf Geheiß Napoleons I. zur Festung ausgebaut (1889 geschleift). Die Stadt fiel 1815 an Preußen (Provinz Sachsen). In nationalsozialistischer Zeit 1939-45 Zentrum des Wehrmachtstrafsystems sowie 1943-45 Sitz des Reichskriegsgerichts. 1945/46-48 bestanden die NKWD-»Speziallager Nummer 8« und »Nummer 10« (etwa 800 Todesopfer). In Torgau gab es 1965-89 den einzigen »Geschlossenen Jugendwerkhof« der DDR. - Torgau kam 1952 von Sachsen-Anhalt (ab 1945) wieder zu Sachsen und war bis 1994 Kreisstadt.
 
In der Schlacht bei Torgau siegte König Friedrich II., der Große, von Preußen am 3. 11. 1760 über ein österreichisches Heer unter L. J. von Daun. - Am 25. 4. 1945 trafen an der zerstörten Elbbrücke bei Torgau (1945 wieder aufgebaut, 1994, nach Bau einer neuen, abgebrochen) amerikanische und sowjetische Truppen zusammen (Denkmal der Begegnung).
 
 
Das T.-Tabu. Wehrmachtstrafsystem - NKWD-Speziallager - DDR-Strafvollzug, hg. v. N. Haase u. B. Oleschinski (21998).
 

Universal-Lexikon. 2012.

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